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In Massen am schönsten – Frühlingsblüher zum Verwildern

Das Warten auf den Frühling lässt bei mir die Sehnsucht nach Farbe und Grün immer größer werden. Wie schön ist es dann wenn mit länger werdenden Tagen endlich die ersten Frühlingsblüher ihre Blüten öffnen. Am wirkungsvollsten ist es wenn nicht nur hier und da ein zartes Blütchen spriesst sondern wenn sie zu vielen schon von weitem Leuchten und den Beginn eines neuen Gartenjahres farbenfroh feiern. Mit soviel bunter Fröhlichkeit steigt die Stimmung und der Winterblues wird weggeblasen.

Um solche blühenden Frühlingswiesen zu erhalten muss der Gärtner mitunter ein wenig nachhelfen, aber es lohnt sich denn viele Frühlingsblüher lassen sich leicht vermehren und entwickeln so im Laufe der Zeit schöne Bestände.

Ein Traum in blau – Leberblümchen
Zu den Besonderheiten im Frühlingsgarten gehört zweifelsfrei das Leberblümchen. Die Wildform des Leberblümchens Hepatica nobilis kommt mit verschiedenen Unterarten in den Laubwäldern von Nordeuropa bis Asien vor,  bei uns steht es unter Naturschutz. Es gibt aber zahlreiche Sorten mit unterschiedlichsten Blütenfarben und Formen von gefüllt bis ungefüllt. Durch Kreuzungen der Unterarten untereinander und mit anderen Arten wie z.B. dem Siebenbürger Leberblümchen Hepatica transsylvanica sind robuste und einfach zu pflegende Formen entstanden. Einmal an den richtigen Standort gepflanzt sollte man sie einfach ungestört wachsen lassen und mit etwas Glück breiten sie sich aus und werden von Jahr zu Jahr schöner. Besonders das Siebenbürger Leberblümchen breitet sich mit der Zeit durch kurze Ausläufer allmählich immer weiter aus, mit der Zeit können so größere Bestände entstehen. Das Siebenbürger Leberblümchen ist anspruchslos was den Standort betrifft. Besonders wohl fühlt es sich in halbschattiger bis schattiger Lage in reifen Waldhumusböden zwischen oder vor Laubgehölzen. Entfernt man das alte Laub rechtzeitig vor der Blüte, wird die Blütenwirkung noch erheblich gesteigert.

Violettblaue Tänzer im Frühlingslicht – Elfenkrokusse
Eine Wiese voller Krokusse ist ein Frühlingsversprechen. Zart und elfengleich wirkt die Einzelblüte – aber ihr Ausbreitungsdrang ist legendär. Meist muss man dafür gar nicht viel tun und lästig werden sie eigentlich nie. Der Elfen-Krokus Crocus tommasianus eignet sich besonders für frühjahrshelle Stellen unter Gehölzen, hier breitet er sich durch Versamung und Teilung der Zwiebeln beständig aus. Will man den Prozess beschleunigen kann man dichte Pulks auch nach der Blüte teilen und an anderer Stelle wieder einpflanzen. Schön sind auch Kombinationen mit weissen oder gelben Krokussen z.B. Crocus korolkowii, Schneeglöckchen und Winterlingen.

Kleine gelbe Sonnenfänger – Winterlinge
Winterlinge trotzen tapfer Schnee und Kälte und schenken uns bereits im Spätwinter eine Ahnung vom Frühling. In den ersten wärmenden Sonnenstrahlen öffnen sie ihre duftenden Butterblumenblüten mit der grünen Halskrause und ziehen damit die ersten Bienen und Hummeln an. Besonders hübsch sieht das aus wenn sie aus einer dünnen Schneedecke golden hervor leuchten. Das Beste an Winterlingen ist: sie verwildern sehr leicht wenn der Standort stimmt. Dafür benötigen sie nur frischfeuchten Boden am Fuss von Gehölzen. Dann muss man nur die Samenkapseln ausreifen lassen und die dunklen Samenkörner keimen an noch unbewachsenen Stellen. Wer Winterlinge in seinem Garten haben möchte sollte keine Knollen kaufen sondern immer getopfte Pflanzen kaufen oder einen befreundeten Gärtner fragen ob er Pflänzchen abgeben möchte. Gekaufte Knollen trocknen leicht aus und wachsen meist nicht gut ein.

Einzeln eher schüchtern und versteckt, in Massen eine Frühlingswonne – Schneeglöckchen
Kein Frühling ohne Schneeglöckchen! Schon um Weihnachten herum senden sie die ersten Lebenszeichen und versichern dem Gärtner den baldigen Beginn des neuen Gartenjahres. Ich zähle mich nicht zu den galantophilen Sammlern von raren Schneeglöckchensorten, eher liebe ich Schneeglöckchen in Hülle und Fülle. Durch ihre frühe Blüte passen sie in fast jede Ecke des Gartens die noch etwas Aufhellung bedarf. Und sie sind auch mit fast jedem Standort zufrieden. Teilt man die Pulks regelmäßig nach der Blüte in kleinere Grüppchen – wie die Engländer sagen ‚in the Green‘ – und pflanzt diese wieder an verschiedenen Stellen ein erhält man mit der Zeit große Bestände. Man kann eigentlich nie zuviele Schneeglöckchen im Garten haben. Bewährt haben sich in meinem Garten neben dem normalen Schneeglöckchen Galanthus nivalis auch dessen gefüllte Form Galanthus nivalis ‚Flore Pleno‘, das in allen Teilen größere und auch früher blühende große Schneeglöckchen Galanthus elwesii var. elwesii und das besonders robuste und ausbreitungsfreudige Woronow-Schneeglöckchen Galanthus woronowii. Will man Schneeglöckchen im Garten ansiedeln sollte man jetzt getopfte Pflanzen kaufen oder bei Gartenfreunden nachfragen ob sie Pflanzen abzugeben haben. Das Stecken von Zwiebeln ist meist nicht sehr erfolgreich, da diese schnell austrocknen.

Himmelblaue Sonnenkinder – Traubenhyazinthen
Wenn die Schneeglöckchen und Krokusse bereits verblüht sind öffnen sie ihre Blütentrauben. Die bekannteste ist die Armenische Traubenhyazinthe Muscari armeniacum. Sie ist pflegeleicht, wächst eigentlich fast überall auch unter Bäumen und verwildert leicht. Trockenheit kann ihr nichts anhaben, nur Winternässe mag sie nicht. Schön sehen Traubenhyacinthen im vorderen Beetbereich als blaue Bänder gepflanzt aus. Nach der Blüte kann man dichte Bestände teilen und verpflanzen. Sie versamen sich aber auch leicht und tauchen mitunter an überraschenden Standorten auf, gerne auch in Pflasterfugen. Eine Kombination mit Triandrus – Narzissen z.B. N. triandrus ‚Thalia‘ (Bild) oder kleinen Wildtulpen wirkt schön und ist sehr langlebig.

Busch-Windröschen
Der Anblick von eingewachsenen Beständen des Busch-Windröschens gehört sicher zu den schönsten Frühlingsbildern. Der heimische Frühlingsbote eignet sich im Garten hervorragend für halbschattige Standorte unter Gehölzen zwischen spät austreibenden Stauden wie Hosta, Cimicifuga oder Rodgersia. Über kriechende Rhizome breiten sich die kleinen Waldanemonen langsam aus. Sie wachsen auch an Standorten die im Sommer schattig und trocken werden. Neben der einfachen weissen Wildform gibt es auch Sorten mit gefüllten oder blauen Blüten.

Die Blaue Strahlen-Anemone – Anemone blanda
Sie ist die erste der Anemonen die bereits im März austreibt. Im Gegensatz zu ihrer Schwester dem Busch-Windröschen bevorzugt sie eher den Platz an der Sonne – dann öffnet sie ihre Strahlenblüten weit. Gepflanzt wird sie am besten im Herbst. Vor dem Pflanzen weicht man die Knollen über Nacht in lauwarmem wasser ein. Einmal eingewachsen sähen sich die Pflanzen zahlreich aus und bilden je nach Sorte blaue, weisse oder rosa Blütenteppiche.

Schön für feuchte Wiesen – Schachbrettblumen
Diese bedrohte und geschützte heimische Wildpflanze ist ein ganz besonderer Frühlingsbote und braucht tiefgründigen feuchten Boden. Die aparten Pflanzen mit den tanzenden purpurnen oder weiss getupften Blütenglocken wachsen am besten auf wechselfeuchten Wiesen oder am Ufer von Gewässern. Sagt ihr der Standort zu breitet sie sich willig aus. Da die Zwiebeln schnell austrocknen sollte man lieber getopfte Pflanzen setzen.


Gelber Schatz mit besonderem Duft – die Weinberg-Tulpe
Ebenfalls eine einheimische aber in der Natur in den letzten Jahrzehnten fast ausgerottete Art ist die Weinberg-Tulpe. Die gelben aussen leicht grünlichen nickenden Blüten mit dem starken und köstlichen Duft erscheinen ab April. Wie der Name schon vermuten lässt braucht sie einen warmen und sonnigen Standort auf nährstoffreichem Boden. Wird ihr dieser geboten ist sie vermehrungsfreudig und breitet sie sich willig durch Ausläufer aus.


Blaues Glöckchen unter Bäumen – Hasenglöckchen
Völlig unkompliziert und unverwüstlich breitet es sich im Laufe der Zeit im Schatten und Halbschatten unter Bäumen aus, das Hasenglöckchen Hyacinthoides hispanica. Man kann die Ausbreitung auch hier durch Teilung der dichten Pulks nach der Blüte beschleunigen. So entstehen mit den Jahren dichte Bestände mit weiss, blau oder auch rosa blühenden Glöckchen.

Inbegriff des Frühlings – Die Narzissenblüte
In strahlendem Gelb oder Weiss verkünden sie mit Grazie und Beschwingtheit alljährlich den Frühling. Die ersten Narzissen blühen bereits im Februar und die spätesten im Juni. Ihre Blütezeit erstreckt sich also über fast ein viertel des Jahres. Viele von ihnen sind zur Verwilderung geeignet und können über viele Jahre am selben Standort stehen. Besonders langlebig und meist auch blühfreudig sind die Jonquilla- und die Triandrus-Narzissen. Hier auf dem Bild ist Narcissus ‚Pipit‘ zu sehen. Sie ist eine sehr ausdauernde, reichblütige und ausbreitungsfreudige Narzisse. Ihre zartgelben duftenden Blüten mit weisser Krone erscheinen sehr zahlreich ab April. Will man Narzissen vermehren sollte man die Zwiebeln nach dem Vergilben des Laubes ausgraben und die Tochterzwiebeln abtrennen, dann pflanzt man die Zwiebeln an anderer Stelle wieder als Tuff von 5-7Stück ein. Wiederholt man diesen Vorgang alle zwei bis drei Jahre kann man die Bestände allmählich vergrößern.

Blaue Blütenkerzen im späten Frühjahr – Prärielilien
Zum Abschluss des Frühlings blühen ab Mai die Präriekerzen mit ihren hell- bis tiefblauen Blütensternen. Je nach Art sind sie 30 bis 80cm hoch. Ähnlich wie Kugellauch sind sie unentbehrlich für die Zeit des Übergangs zwischen Frühjahrsblühern und den ersten Stauden im Frühsommer. Prärielilien sind ausgesprochen robust und langlebig. Sie bevorzugen eher feuchte Böden und wachsen auch an halbschattigen Standorten, können also dort gepflanzt werden wo Kugellauch nicht gut gedeiht. Alle Arten sind hervorragend zur Verwilderung geeignet. Einmal eingewachsen können sie viele Jahre am selben Ort stehen und entwickeln mit jedem Jahr mehr der Blütentrauben die aus bis zu 100 Einzelblüten bestehen können. Sehr schön sind wiesenhafte Pflanzungen kombiniert mit Dichternarzissen Narcissus poeticus ‚Recurvus‘. Die Horste können nach der Blüte im Spätsommer geteilt werden. Die Zwiebeln der Pflanzen sind essbar.

Zum Verwildern geeignete Frühlingsblüher sind also eine pflegeleichte Möglichkeit den Frühlingsgarten zu gestalten. Am besten lassen sie sich dann an den ersten warmen Tagen vom Liegestuhl aus geniessen.

Auf einen baldigen berauschenden Start ins Frühjahr.

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