Frühjahr Gärten Gartenportrait Gehölze Reisen

Das Kamelienschloss Zuschendorf – eine ausserordentliche Botanische Sammlung

Die Gewächshäuser des Landschlosses Zuschendorf beherbergen eine Botanische Kostbarkeit der besonderen Art und erzählen von der Geschichte einer Dresdner Gärtnerdynastie deren Erfolg mit der Zucht von Kamelien begründet wurde.

Nachdem in der vergangenen Woche Kahlfrost mit bis zu -15°C meinen Garten in Schockstarre versetzt hat bieten die schlaff am Boden liegenden Frühlingsblüher einen eher unerfreulichen Anblick. Dieser Anblick versetzt mich immer wieder in Unruhe, auch wenn diese Strategie der Pflanzen das Wasser aus den Zellen zu pumpen durchaus sinnvoll erscheint, sie sehen dann einfach zu erbärmlich aus.
Um diesem Eindruck zu entfliehen bietet sich jetzt Anfang März ein Besuch der Gewächshäuser des Kamelienschlosses in Zuschendorf an. Auch wenn von Berlin aus die Anreise gute zweieinhalb Stunden dauert, für mich läutet diese den Start in die Gartensaison ein.
Das Landschloss mit dem umgebenden Landschaftspark liegt malerisch im Seidewitztal bei Pirna in Sachsen. Der Park präsentiert sich noch in winterlichen Farben, aber in den historischen Gewächshäusern an den Hängen öffnen bereits Anfang März die ersten Kamelien ihre prächtigen Blüten. Für mich ist dieser Park mit seinen Gewächshäusern ein besonderes Kleinod, auch wegen der Geschichte der Dresdner Gartenkultur die dahinter steht.

Die Gärtner-Familie Seidel

Der königliche Hofgärtner Johann Heinrich Seidel beherbergte 1806 im Herzogin-Garten in Dresden 4300 Pflanzenarten und -sorten, eine der größten Sammlungen seiner Zeit die selbst heute noch ihresgleichen sucht. Nicht nur die erste deutsche Dahlie blühte bei ihm, es wird auch bereits 1792 eine blühende Kamelie erwähnt. Gemeinsam mit Johann Wolfgang von Goethe arbeitete er an der „Metamorphose der Pflanzen“. Im Jahr 1813 gründeten sein Sohn Jacob Friedrich gemeinsam mit seinem Bruder Traugott Leberecht Seidel die erste Spezialgärtnerei des deutschen Zierpflanzenbaus, woraus sich bis Mitte des Jahrhunderts der größte Kamelienproduktionsbetrieb Europas entwickelte.
Begonnen hat er seine Zucht mit drei Stecklingen die er von seiner Gärtnerausbildung in Paris im in Kartoffelhälften gesteckt mit nach Dresden brachte. Durch Zukauf und Saatgut aus England erweiterte er seine Zucht bald auf 1100 Sorten.

Nach dem Krieg wurde der Betrieb wie viele andere Betriebe in der DDR enteignet und die Familie Seidel die den Berieb inzwischen in der vierten Generation führte zerstreute sich in alle Richtungen. In dem nun volkseigenen Betrieb wurde Gemüse angebaut. Ab Mitte der 50er Jahre wurde dann die Kamelienzucht wieder aufgenommen, jedoch verschlissen im Laufe der Zeit die technischen Anlagen.
Matthias Riedel, der heutige Leiter der botanischen Sammlung, stand eines Tages fassungslos vor Kamelien der Seidelschen Sammlung die gerodet werden sollten. Mit Hilfe vieler Gärtner und Kamelienfreunde grub er sie aus um sie vor der Vernichtung zu retten.
Gegen viele Widrigkeiten konnten sie schliesslich das Zuschendorfer Landschloss, welches ebenfalls dem Verfall wegen fehlender Mittel preisgegeben war, kaufen und die Sammlung umsiedeln.
Heute ist diese botanische Kostbarkeit denkmalgeschützt und Eigentum des Freistaates Sachsen. Ohne den Einsatz von Herrn Riedel wäre sie wohl verloren gegangen.
Auch Pflanzen gehören zu unserem Kulturgut, das führt diese Geschichte eindrucksvoll vor Augen.

Die Kamelie – Asiatische Schönheit mit kaltem Herz

In ihrer Heimat Ost- und Südasien wachsen sie im Unterwuchs mächtiger Bäume. Dort werden sie 10 bis 15 Meter hoch und bilden ganze Wälder.
Im 16. Jahrhundert gelangten die ersten Kamelien nach England. Dort entwickelten sie sich zu beliebten Gartenpflanzen, die in dem milden Klima der Insel prächtig gediehen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts traten sie dann ihren Siegeszug durch Europa an.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich ein wahrer Begeisterungssturm für alles was aus dem Fernen Osten kam. Kamelien waren in der Kunst allgegenwärtig, auf Gemälden der Zeit schmückten sie die Hüte und Ballkleider der Dame von Welt. Der Roman von Alexandre Dumas „Die Kameliendame“ und die daraus entwickelte Oper von Guiseppe Verdi „La Traviata“ legt Zeugnis davon.

Mit der zentralen Beheizung der bürgerlichen Wohnungen ab Anfang des 20. Jahrhunderts ließ das Interesse an den Kamelien nach. Man konnte ihnen einfach nicht mehr die erforderlichen niedrigen Temperaturen bieten. Kühle Wintergärten besaßen nur wenige und in den Gärten unserer Breitengrade überleben sie meist nicht lange, Kahlfrost und Temperaturen unter -10°C beenden schnell ihr Dasein.

Die historischen Gewächshäuser in denen die Kamelien stehen haben ihren eigenen nostalgischen Charme.

Können Kamelien im Garten wachsen?

Diese Frage hat sich mit der oben geschilderten Frosthärte eigentlich schon beantwortet. Als winterhart angebotene Kamelien sind bestenfalls frosthart und dürfen für kurze Zeit geringen Minusgraden ausgesetzt werden. Zwar unterscheiden sich die einzelnen Sorten z.T. deutlich in Blüten- und Wuchsform, aber anhaltende Minusgrade mit Bodenfrost verträgt keine Kamelie ohne Winterschutz. In einigen Regionen Deutschlands wie z.B. dem Rheingraben oder in Weinbaugebieten haben sie an geschützten Plätzen im Garten durchaus Überlebenschancen. Dann kommen sie im April zur Blüte, nach den ersten Magnolien. Man muss aber immer damit rechnen das die Knospen erfrieren, Blüten braun werden oder Triebe zurückfrieren. Schöne Freilandexemplare kann man z.B. in Norditalien am Lago Maggiore bewundern, in Deutschland sind mir ausgepflanzte große Freilandexemplare nur mit mobilem Winterglashaus bekannt, wie z.B bei der Pillnitzer Kamelie, die unweit von Zuschendorf besucht werden kann.

Welche Standortbedingungen haben Kamelien?

Kamelien sind Waldpflanzen. Das heißt sie wachsen gern im Schutz von grossen Bäumen und schätzen das ausgeglichene Klima das sie dort vorfinden. Sie sind nicht gern der intensiven Mittagssonne ausgesetzt, sie stehen aber auch nicht gern zu schattig, denn dann setzen sie nur wenige Blüten an. Die Luft sollte eine relative Luftfeuchte von 60% haben und der Boden eine gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit. Das heißt Heizungsluft im Winter mit damit verbundener Lufttrockenheit ist denkbar schlecht für Kamelien. Am besten stehen sie so lange wie möglich im Freien und werden im Spätherbst in die Nähe einer Hauswand gerückt. Bei Frost gehören Kamelien ins Kalthaus, also in einen kühlen und hellen unbeheizten aber frostfreien Raum.
Der Boden und das Giesswasser sollte möglichst salzfrei sein. Diesen Anspruch erfüllt man am besten durch die Verwendung von einer Mischung aus Sand und Rhododendronsubstrat und einer Düngung mit Rhododendrondünger. In Gegenden mit sehr hartem Leitungswasser, wie hier in Berlin, stellt die Überwinterung damit eine besondere Herausforderung dar.
Bei Kübelpflanzen sollte man alle zwei bis drei Jahre umpflanzen.

In Zuschendorf sind 350 verschiedene Sorten von Kamelien zu sehen.

Manchmal werfen Kamelien im Winter ihre Knospen ab. Das kann verschiedene Gründe haben. Standortveränderungen während der Knospenreife mögen sie gar nicht. Auch ein zu warmer Standort oder Lufttrockenheit kann zum Knospenfall führen. Auch wenn die Pflanze im Sommer zu trocken stand kann sie im Winter mit dem Abwurf der Knospen reagieren.

Auch als Bonsai werden die Kamelien in Zuschendorf gezeigt.

Das Landschloss Zuschendorf – ein gärtnerisches Schatzkästchen

Neben der Kameliensammlung die von Anfang März bis Anfang April in den Gewächshäusern mit etwa 1500m² überglaster Fläche besucht werden kann, bietet der Park weitere botanische Besonderheiten. So gibt es ausserdem eine Sammlung verschiedener z.T. sehr alter Bonsais zu sehen, darunter auch Zwergobstbäume die in Scherben gepflanzt auf Sandsteinsockeln im Park stehen und zur Blüte einen reizenden Anblick bieten, aber auch mit Früchten im Herbst ganz zauberhaft aussehen. Aber davon berichte ich ein anderes Mal, denn auch hier gibt es einen historischen Bezug der interessant ist. Im Spätsommer ist dann die Hortensiensammlung sehenswert, auch diese ist ein Kapitel für sich.

Ähnliche Standortbedingungen wie Kamelien haben die Azaleen. Auch sie gehören zu den nostalgischen Zimmerpflanzen aus Grossmutters Ära als die Räume im Winter noch weniger geheizt wurden.

Neben den zahlreichen Kameliensorten ist in den Gewächshäusern eine Sammlung alter Sorten der Zimmerazaleen zu sehen. Auch diese umfasst an die 350 Sorten und zeigt die Geschichte der Sächsischen Azaleenzüchter auf. Denn der Dresdner und Leipziger Raum, war neben Gent (Belgien) das größte Azaleenanbaugebiet Europas. Diese Azaleensammlung ist daher untrennbar mit der Stärke, aber auch mit dem Niedergang der sächsischen Azaleengärtner verbunden. Auch diese Geschichte ist ein Kapitel für sich.

Neben den Kameliengewächshäusern bietet auch der Park im Frühjahr schöne Blühaspekte. Grosse Bestände von Frühlingsblühern wie Schneeglöckchen, Winterlingen oder Buschwindröschen bühen unter Hamamelis oder Magnolien.

Ab Ende April sind im Park zahlreiche blühende Rhododendren zu sehen. Die Sammlung wird gegenwärtig ausgebaut. Denn neben Kamelien wurden von der Familie Seidel auch winterharte Rhododendren gezüchtet.

Über das Jahr finden in den Räumen des Schlosses auch verschiedene Ausstellungen zu botanischen Themen statt.
Noch bis zum 11.03. diesen Jahres kann die 15. Deutsche Kamelienblütenschau besucht werden.
Diese findet alljährlich Anfang März für 14 Tage in Zuschendorf statt. Dafür werden über tausend Kamelienblüten von Züchtern aus Deutschland und dem europäischen Ausland zusammen getragen und gezeigt.

Die folgenden Bilder vergrößern sich durch Anklicken.

Weitere Informationen zum Park erhältst du über folgenden Link (klick).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.