Gehölze Winter

Der Garten im Winter 3 – Winterblühende Gehölze

Januar 28, 2018

Angesichts der anhaltend grauen und lauen Witterung im Berliner Aussenraum kann man ja abgesehen von ein paar frostigen Nächten bisher kaum von Winter sprechen. Dementsprechend frühlingshaft grünt und sprießt es schon im Garten und mancher Zweig trägt die ersten Blüten. Einige Gehölze blühen sogar den ganzen Winter über, sie sorgen somit für Lichtblicke im tristen Grau des Winters und läuten den Übergang zu den ersten kleinen Zwiebelblühern ein. An den wenigen Sonnentagen in den letzten Wochen habe ich mich daher hoffnungsvoll auf die Suche nach den fleissigen Blühern der kalten Jahreszeit gemacht.
In meiner Trilogie über den winterlichen Garten möchte ich heute die Schönsten von ihnen kurz vorstellen.

Sicherlich kennen viele den gelb blühenden Winterjasmin Jasminum nudiflorum als klassischen Winterblüher. Er ist einer der Ersten der z.T. schon im Dezember seine Blüten öffnet. Nudiflorum heißt hier quasi Nackedei, da er ohne Laub seine nackten Blüten zur Schau stellt. Bis zum März blüht er dann immer üppiger. In dieser düsteren Zeit verwandeln sich seine struppig grünen Spaghettitriebe in einen goldenen Sternenregen der dann schon von Weitem zu sehen ist. Was seine Gestalt betrifft ist er recht wandelbar, meist wächst er eher hängend, daher kann man ihn ganz gut von Mauern oder Böschungen herunter wachsen lassen. Mit einer Rankhilfe kann er aber auch an Mauern oder Wänden empor wachsen. Der kleine Kletterstrauch stammt aus Ostasien und Nordchina und wächst dort auf Felshängen in 800 bis 4000m Höhe.
Hier auf dem Bild, welches ich Ende Dezember aufgenommen habe, wächst er zusammen mit der Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis deren orangerotes Laub sich bis spät in den Winter hinein an den Zweigen hält und zusammen mit den gelben Blüten des Jasmins ein lebhaftes Farbspiel bildet. Beide sind für Tiere im Winter auch Retter in der Not – der Jasmin ist durch seine frühe üppige Blüte für Insekten, die Zwergmispel bildet zahlreiche rote Beeren die bei Vögeln beliebt sind.

Die Japanische Zierquitte Chaenomeles japonica hat ihre Hauptblüte eigentlich im Frühjahr, dennoch öffnen sich bei vielen Sorten bei milder Witterung die ersten Blüten schon im Spätwinter. Unter den Frühlingsblühern führt sie gewissermaßen immer noch ein Schattendasein obwohl sie im Gegensatz zur Forsythie, die ja für viele der Inbegriff des Frühlingsboten unter den Gehölzen ist, mit ihren Blüten zahlreiche Bienen und Hummeln anzieht und ihnen erste ersehnte Nahrung bietet. Durch Kreuzungen mit der Wildformen von Chinesischer Zierquitte Chaenomeles speziosa sind viele Sorten entstanden deren Blütenfarbe zwischen Rot, Rosé oder Weiß variiert und die durch verschiedene Wuchshöhen zwischen niedrigen 50cm und 3Metern Höhe für verschiedene Gartensituationen geeignet ist. Sehr schön ist zum Beispiel eine niedrige geschnittene Hecke oder ein lockeres Wandspalier. Auch ihre leuchtend gelben, vitaminreichen Früchte die im September erscheinen sind zierend und es lassen sich allerhand Köstlichkeiten aus ihnen bereiten.

Der Winter-Schneeball Viburnum farreri ist eine Wildart aus Ostasien. Dort wächst er im Unterholz lichter Bergwälder. Seine Blütezeit beginnt bereits im November und reicht bis ins zeitige Frühjahr. Er ist eine der Elternarten des bekannteren Duft-Schneeballs Viburnum x bodnantense.

Zu den schönsten winterblühenden Gehölzen gehört sicher der Duft-Schneeball. Seine zartrosa Blütenbüschel, deren Duft man schon von Weitem wahrnehmen kann, sitzen im Spätwinter an den unbelaubten, dunkelbraunen Trieben und sind deshalb ein absoluter Hingucker. Er ist eine Hybride aus den Wildformen Winter-Schneeball Viburnum farreri und dem Großblütigen Schneeball Viburnum grandiflorum. Seinen Namen hat der Bodnant-Schneeball von dem bekannten Bodnant Garden in Nordwales, dem Ort seiner Entstehung. Die bekanntesten Sorten sind Viburnum x bodnantense ‚Dawn‘ und ‚Charles Lamont‘, wobei ‚Dawn‘ eher weissrosa Blüten bildet und später blüht als ‚Charles Lamont‘ der bereits ab November kräftig rosa blüht. Der Strauch ist anspruchslos steht aber gern sonnig.

Zaubernüsse gehören zu den edelsten Gehölzen der Gehölzwelt und aufgrund ihrer zahlreichen Arten und Sorten mit unterschiedlicher Größe und Blütenfarbe fällt die Auswahl nicht leicht. Die Sträucher sind je nach Sorte bis vier Meter hoch und wachsen breit trichterförmig. Ihr Laub erinnert an das der Haselnüsse, nimmt aber im Gegensatz zu diesen im Herbst eine auffällig orangerote Färbung an. Zu den Zaubernüssen gehören sechs Arten die in Ostasien und Nordamerika beheimatet sind. In den Gärten findet man vor allem die Chinesische Hamamelis mollis und die Japanische Zaubernuss Hamamelis japonica (Bild). Diese sind wegen ihrer frühen und langen Blütezeit von Januar/Februar bis zum Frühlingsanfang interessant. Es gibt aber auch zahlreiche Hybridsorten der miteinander gekreuzten Arten, diese werden unter dem botanischen Namen Hamamelis x intermedia geführt. Die im Herbst blühende Virginische Zaubernuss Hamamelis virginiana ist dagegen weniger verbreitet da ihre Blüten teilweise vom Laub verdeckt werden.
Was den Boden betrifft sind Zaubernüsse sehr anspruchsvoll. Sie verlangen ein tiefgründiges, frisch-feuchtes und sehr humusreiches Substrat. Lehmige oder tonige Böden mögen sie überhaupt nicht. Empfindlich reagieren sie sowohl auf Trockenheit als auch auf Staunässe oder Bodenverdichtung. Einmal eingewachsen wollen sie in Ruhe gelassen werden, kein Schnitt und keine Eingriffe im Wurzelraum. Sie sind eben schöne Diven deren Unterbringung und Hofstaat gut überlegt sein will. Am besten stehen sie in Einzelstellung aber geschützt und ein dunkler Hintergrund bringt ihre hellen Blüten besonders zur Geltung. Sehr schön sieht eine Unterpflanzung mit niedrigen Frühlingsblühern wie Schneeglöckchen Galanthus, Duftveilchen Viola odorata, Frühlings-Alpenveilchen Cyclamen coum und Winterlingen Eranthis hyemalis aus.

Noch recht selten sieht man die Chinesische Winterblüte Chimonanthus praecox in den Gärten. Ganz zu Unrecht, denn der Strauch stellt keine unerfüllbaren Ansprüche. Er mag nur keine Staunässe und keine Trockenheit, schwere Böden verträgt er auch schlecht. Bei lang anhaltenden Kahlfrösten können die Zweige zurückfrieren, er treibt dann aber im Frühjahr wieder aus.
Seine hellgelben becherförmigen Blüten erscheinen bei milder Witterung bereits im November und öffnen sich nach und nach bis zum März. Bei Sonne duften sie zart nach Vanille.
Es dauert allerdings etwa acht Jahre bis die Winterblüte das erste Mal blüht.


Von den Mahonien gibt es zahlreiche Arten die in Mittel- und Nordamerika zu Hause sind. Sie sind eng mit den Berberitzen verwandt und besitzen in Blüte und Frucht auch große Ähnlichkeit mit diesen. Neben der allgegenwärtigen Gewöhnlichen Mahonie Mahonia aquifolium, die in Europa schon zu den problematischen Neophyten zählt, gibt es auch einige Sorten die wahre Schmuckstücke für den Garten sind. Dies sind vor allem die winterblühende Mahonia x media, eine Kreuzung aus Japanischer Mahonie Mahonia japonica und Mahonia lomariifolia, sowie die Beals Mahonie Mahonia bealei die ab März blüht. Beide haben sowohl eine schöne rot-orange Herbstfärbung die z.T. den ganzen Winter über anhält als auch große gelbe duftende Blütenrispen. Der Wuchs ist straff aufrecht, wodurch sie auch als Solitärgehölz verwendet werden können. Die blauschwarzen Beeren sind dekorativ und auch bei Vögeln beliebt.

Ebenfalls noch recht wenig in den Gärten zu finden ist die Süßbeere Sarcocca ruscifolia, ein kleiner immergrüner Strauch für schattige und halbschattige Standorte. Im Winter erscheinen die süss duftenden weissen Beeren in kleinen Trauben aus denen sich später kleine rote bis schwarz-braune, rundliche, meist von den Laubblättern verdeckte Beerenfrüchte entwickeln. Die Blüte ist zwar unscheinbar, aber wenn man an den Sträuchern vorüber geht verströmen sie einen angenehmen Duft, im Winter ein ganz besonderes Erlebnis.

Auch empfehlenswert ist die Schneeforsythie Abeliophyllum distichum von der es auch noch eine rosablütige Version gibt. Der zierliche Blütenstrauch blüht in milden Wintern schon ab Januar mit duftenden forsythienähnlichen Blüten. Obwohl der schöne Strauch sich in unseren Breiten wohl fühlt und unkompliziert ist sieht man ihn noch selten in den Gärten.

Weitere Sträucher sind auf den folgenden Bildern zu sehen, durch Anklicken vergrößert sich die Ansicht.

Natürlich ließe sich diese Aufzählung noch erweitern und sicher habt ihr auch noch den einen oder anderen Liebling im Garten stehen der jetzt schon Vorfreude auf den Frühling verbreitet.

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8 Comments

  • Reply Karen Heyer Februar 13, 2018 at 3:44 pm

    Liebe Theresa,
    was für ein wunderbar informativer Post!
    Die Winterblüte steht bei uns nun in ihrem 8. Winter. Und was tut sie erstmalig? Sie blüht 🙂
    Unsere Zaubernuss wächst leider extrem trichterförmig, deshalb werde ich sie abgeben. Sie steht im Vorgarten und es wird nicht mehr lange dauern, das sie uns gleich 3 Wege versperrt mit ihren sparrigen Ästen. Sie hätte einen würdigen Solitärplatz verdient gehabt, den hatte ich leider nicht mehr im Angebot.
    Winterjasmin wollte hier nichts werden, nach dem 2. Versuch habe ich es aufgegeben.
    Aber die Winterschneebälle, die ziehen hier eine große dufte Schau ab 🙂
    Liebe Grüße
    Karen

  • Reply Topfgartenwelt Februar 1, 2018 at 10:11 pm

    Liebe Theresa, das ist ein ganz interessanter Artikel. Einen Winterblüher hätte ich auch gerne im Garten, mal sehen, ob ich einen Platz finde. Das Wetter ist hier auch ein Trauerspiel. Es ist viel zu warm und nun wird es wieder kalt.

    LG Kathrin

    • Reply Theresa Gläßer Februar 2, 2018 at 8:53 pm

      Liebe Kathrin,
      gerade von der Zierquitte gibt es ja auch kleinere Sorten und dann hat sie im Herbst auch noch essbare Früchte.
      Herzliche Grüße Theresa

  • Reply Anette Januar 31, 2018 at 5:41 pm

    Hallo Theresa,
    in diesem Januar blühen die meisten von dir gezeigten Sträucher schon.
    Ich mag sie alle, so ist der Wintergarten viel interessanter.
    Viele Grüße,
    Anette

  • Reply saskia plewe Januar 30, 2018 at 4:26 pm

    Liebe Theresa,
    Es war mal wieder ein Vergnügen deinen Post zu lesen so informativ und interessant. Ich liebe diese meist sehr schön duftenden Winterblüher, ich glaube mal gehört zu haben das sie so wunderbar duften um ihre Bestäuber auch in der kalten Jahreszeit von Weitem anzulocken. In meinem Garten sind schon einige der genannten Gehölze vertreten, ich pflanze sie gerne entlang der Wege und freue mich immer an ihrem Duft wenn ich vorbeikomme.
    Liebe Grüße Saskia

    • Reply Theresa Gläßer Januar 31, 2018 at 11:11 am

      Vielen Dank Saskia,
      es freut mich das du hier gern vorbei geschaut hast. Und da du ja gerade einen sehr schönen Post über Pflanzen für Insekten veröffentlicht hast sind meine Winterblüher ja vielleicht eine ganz gut Ergänzung.
      Liebe Grüße Theresa

  • Reply McMaries Kleingartenwelt Januar 29, 2018 at 6:30 am

    Ja, das sieht schon aus, wie im Frühling!
    Bei mir blüht im Winter nur der Winterschneeball. Seine Blüten mag ich sehr, sie bringen ein wenig Farbe ins Grau des Winters.
    Die Zaubernuss gefällt mir auch unheimlich gut, doch leider hab ich noch kein freies Plätzchen gefunden, wo ich sie pflanzen könnte…
    Liebe Grüße, Marie

    • Reply Theresa Gläßer Januar 31, 2018 at 11:13 am

      Hallo Marie,
      den Winterschneeball mag ich auch besonders, er duftet so wunderbar.
      Liebe Grüße Theresa

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